Kooperatives Klärungsmodell (ehemals „Stufenmodell“)

Unter dem Namen „Stufenmodell“ wurde in Baden-Württemberg ein transparentes Beratungsmodell entwickelt, das auf einer Folge von Gesprächen basiert, die in einem festgelegten Teilnehmerkreis geführt werden und aufeinander aufbauen. Ursprünglich aus der Drogenprävention kommend wurde dieses Modell für den Schulalltag modifiziert.

Gesprächsinhalte im schulischen Kontext sind Störungen im Sozial-, Arbeits- und Leistungsverhalten. Die Gespräche haben einen klärenden und konstruktiven Charakter. Angestrebt wird ein zukunftsfähiger konstruktiver Konsens, der allen Beteiligten hilft und ein respektvolles Miteinander zum Ziel hat.

Der Lehrer/ die Lehrerin versucht gemeinsam mit dem betreffenden Schüler/ der Schülerin, Schritte für eine Verhaltensänderung festzulegen. In besonderen Fällen kann dazu ein schriftlicher Vertrag aufgesetzt werden.

Das Modell beginnt in der Regel mit einem ersten Gespräch zwischen dem Schüler/ der Schülerin und dem feststellenden Lehrer/der Lehrerin (1.kooperatives Klärungsgespräch [KoKG]) und endet unter Umständen in der letzten Konsequenz mit einer Klassenkonferenz und dort festzusetzenden möglichen Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen.

Obwohl auch Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen nach Vorgabe der Klassenkonferenz möglich sind, ist es das angestrebte Ziel der KoKG, solche möglichst zu vermeiden.

Erfahrungsgemäß reicht das erste Gespräch zwischen dem Lehrer/ der Lehrerin und dem betreffenden Schüler/ der Schülerin aus, um eine positive Verhaltensänderung herbeizuführen.

Vielleicht hat die Schülerin/der Schüler familiäre Probleme, weil ein Elternteil schwer erkrankt ist oder sich die Eltern scheiden lassen. Das kann aber bereits in dem ersten Gespräch geklärt werden.

Der Erfolg des Modells liegt in der Transparenz und der konstruktiven Kommunikation, aber auch in der Konsequenz der Abfolge.

Unter dem Begriff „Stufenmodell“ ist das Verfahren bei uns am Gymnasium in den letzten Jahren erfolgreich praktiziert worden, da es bereits im Vorfeld dazu führte, dass Einsicht und konstruktive Verhaltensänderungen erzielt wurden, ohne dass Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen ausgesprochen werden mussten. Eine Umbenennung in „Kooperatives Klärungsmodell“ erscheint sinnvoll, um die konstruktive Ausrichtung des Modells zu bekräftigen.

Zur Anwendung kommt das Modell bei

  • Verstößen gegen die Schulordnung,
  • extremen Reaktionen (Aggressionen, Schlägereien etc.),
  • Diebstählen,
  • extremen Störverhalten gegenüber dem Lehrer/ der Lehrerin

oder wenn

  • der Schüler/ die Schülerin seine/ihre Mitschüler/innen und Lehrer/innen fortgesetzt anlügt,
  • er/sie die Klasse in zwei Lager spaltet,
  • er /sie unzuverlässig beim Einhalten von Abmachungen ist,
  • er/ sie die Klasse als Gruppe ablehnt, bzw.
  • insgesamt bei auffälligem Sozialverhalten, Arbeitsverhalten, Leistungsverhalten.

In begründeten Fällen kann nach Rücksprache des/der Klassen-, bzw. Fachlehrer/s/in mit dem Beratungslehrer von der Abfolge des Modells abgewichen werden. Grundsätzlich ist eine Rücksprache vor der Anwendung des Modells mit der Beratungslehrerin/dem Beratungslehrer sinnvoll, da diese® in Mediation und Beratung besonders geschult ist.

1. Kooperatives Klärungsgespräch (KoKG)

Bei fortgesetzten oder schwerwiegenden Störungen/ Verhaltensauffälligkeiten führt der/die Klassenlehrer/in oder der/die Fachlehrer/in in Absprache mit dem/der Klassenlehrer/in ein Gespräch mit dem Schüler /der Schülerin (auf Wunsch einer Konfliktpartei kann der Beratungslehrer hinzugezogen werden).

Über das 1. Kooperative Klärungsgespräch werden die Erziehungsberechtigten von der Schule noch nicht informiert. Der Schülerin/ dem Schüler ist es freigestellt, die Erziehungsberechtigten zu informieren.

Inhalte:

  • Klären von Verhaltensauffälligkeiten
  • Finden und Vereinbaren von Verhaltensänderungen

Weiteres Verfahren:

  • Der Inhalt des Gesprächs wird schriftlich festgehalten und dem Schüler/ der Schülerin zur Kenntnisnahme vorgelegt.
  • Ablage des Protokolls in der Schülerakte, sowie Umlauf im unterrichtenden Kollegium

gegebenenfalls:

  • Neuen Gesprächstermin festlegen
  • Bei gravierendem Vorfall findet dieses Gespräch umgehend statt.

2. Kooperatives Klärungsgespräch (KoKG)

Gespräch zum vereinbarten Termin, wenn sich nichts oder nur Unwesentliches geändert hat oder erneut Probleme aufgetreten sind.

Teilnehmer/innen:

  • Der Schüler/ die Schülerin
  • Klassenlehrer/in
  • Gegebenenfalls Fachlehrer/in
  • Beratungslehrer
  • Der/ die Klassen-, bzw. Fachlehrer/in entscheidet in Absprache mit dem Beratungslehrer und dem Schüler / der Schülerin, ob die Erziehungsberechtigten bzw. ein Erziehungsberechtigter zum Gespräch geladen werden. Falls nicht, werden diese darüber informiert, dass ein Kooperatives Klärungsgespräch (KoKG) stattfindet/stattgefunden hat.

Inhalte:

  • Klärung des Problems
  • Vereinbarungen über Verhaltensänderungen
  • Hilfen anbieten, bzw. über Hilfen informieren (Hinweise auf außerschulische Institutionen)

Weiteres Verfahren:

  • Der Inhalt des Gesprächs wird schriftlich festgehalten und dem Schüler/ der Schülerin zur Kenntnisnahme vorgelegt.
  • Ablage des Protokolls in der Schülerakte, sowie Umlauf im unterrichtenden Kollegium

gegebenenfalls:

  • Neuen Gesprächstermin festlegen
  • Bei gravierendem Vorfall findet dieses Gespräch umgehend statt.

Mit dem Protokoll des Gesprächsinhalts und der getroffenen Vereinbarung wird wie
beim 1. KoKG verfahren

3. Kooperatives Klärungsgespräch (KoKG)

Gespräch zum vereinbarten Termin, wenn sich nichts oder nur Unwesentliches geändert hat oder erneut Probleme aufgetreten sind.

Teilnehmer/innen (auch bei KoKG 4):

  • Der Schüler/ die Schülerin
  • Klassenlehrer/in
  • Eltern
  • gegebenenfalls Fachlehrer/in
  • Schulleitung
  • Beratungslehrer

Inhalte:

  • Darstellung des Problems
  • Erneute Vereinbarungen über Verhaltensänderungen
  • gegebenenfalls Inanspruchnahme von Hilfe fordern
  • Aufklärung über mögliche Konsequenzen durch eine Klassenkonferenz.

Weiteres Verfahren:

  • Der Inhalt des Gesprächs wird schriftlich festgehalten und dem Schüler/ der Schülerin zur Kenntnisnahme vorgelegt.
  • Ablage des Protokolls in der Schülerakte, sowie Umlauf im unterrichtenden Kollegium

gegebenenfalls:

  • Neuen Gesprächstermin festlegen
  • Bei gravierendem Vorfall findet dieses Gespräch umgehend statt.

Mit dem Protokoll des Gesprächsinhalts und der getroffenen Vereinbarung wird wie
beim 1. KoKG verfahren

4. Kooperatives Klärungsgespräch (KoKG)

Gespräch zum vereinbarten Termin, wenn sich wiederum nichts oder nur Unwesentliches geändert hat oder erneut Probleme aufgetreten sind.

Teilnehmer wie bei KoKG 3

Inhalte:

  • Darstellung des Problems
  • erneute Vereinbarung über Verhaltensänderungen
  • Inanspruchnahme von Hilfe einfordern
  • Androhung einer Klassenkonferenz

Weiteres Verfahren:

  • Der Inhalt des Gesprächs wird schriftlich festgehalten und dem Schüler/ der Schülerin zur Kenntnisnahme vorgelegt
  • Ablage des Protokolls in der Schülerakte

5.
Sollte sich das Verhalten innerhalb der vereinbarten Frist nicht ändern, wird eine Klassenkonferenz einberufen, auf der Maßnahmen im Rahmen des Schulgesetzes, die bis zum Schulausschluss führen können, zur Abstimmung gebracht werden.

Das KoKG-Modell hat nicht das Ziel zu disziplinieren und Strafmaßnahmen auszusprechen. Angestrebt wird ein zukunftsfähiger konstruktiver Konsens, der allen Beteiligten hilft und ein respektvolles Miteinander fördert.

Je nach Art der vorliegenden Problematik kann von der aufbauenden Gesprächsabfolge abgewichen werden (KoKG 1-4). In Einzelfällen mag es sinnvoll sein, bereits frühzeitig die Eltern und die Schulleitung einzubinden. Dies sollte möglichst in Absprache mit einem Beratungslehrer geklärt werden.
Bei gravierenden Verstößen wird eine Klassenkonferenz auch ohne vorangegangene KoKG einberufen.

Überarbeitung des Stufenmodells, Lüchow, 2.5.2017

Edgar Gerlach