Leipziger Buchmesse 2014

Mit Spannung erwartete der elfte Jahrgang des Gymnasiums Lüchow die traditionelle Exkursion zur Leipziger Buchmesse, die am 13. März stattfand und von Frau Kuenzer und Frau Wallmann begleitet wurde.
Dieses Jahr sollten wir uns unter die vielen tausend Besucher mischen, Besucher, die in zahlreichen, neuen Bücher stöbern, an den Lippen eines beliebten Autors hängen oder ein Foto mit dem Lieblings-Comic-Helden machen.
Zugegeben: Am Anfang waren wir uns alle ein bisschen unsicher, was uns in Leipzig erwarten würde. Als wir jedoch nach drei Stunden Fahrt ankamen, merkten wir schnell, dass die Buchmesse viel mehr bot als nur die zahllosen Werbegeschenke, von denen die Jahrgänge über uns berichteten.

Eine bunte Mischung - die Leipziger Buchmesse

Bunt. Voll. Überall Fremde. Bücher. Bücher. Bücher. Verlage. Teures Essen. Menschen auf roten Sofas. Verkleidete Menschen. Menschen mit Mikrophonen. Menschen mit Fotoapparat. Menschen mit Filmkamera. Und ich mittendrin.

Ein Rundgang, startend in der Glashalle, den Schildern folgend Halle für Halle durchwandernd. Die Verlage stellen ihre Bücher aus. Da sind dtv und Duden, aber auch Radiosender, wie MDR Figaro. Da sind  ZDF und ARD. Presse überall. Es geht hauptsächlich um die Präsentation der einzelnen Verlage. Ein Krimi-Fan - wie ich- kann nicht in seinem gewünschten Genre herumstöbern, sondern muss von Halle zu Halle wandern und auf gut Glück einen interessanten Krimi suchen und finden. Erotik neben Thrillern. Thriller neben Sachbüchern. Alles sehr wild gemischt. Zwischendurch ein Mini-Laden mit Postkarten, Tassen und lustigen Mitbringseln.
An den Ständen einfach willkürlich nach Hörproben und Leseproben greifen, die zu Hause erst nähere Betrachtung bekommen. Eine freundliche Atmosphäre, in der sich verschiedene Menschen verschiedenen Alters  viele verschiedene Genres anschauen.

Außer einer Lesung sehe ich mir noch eine Beatbox-Veranstaltung an, welche natürlich auch auf den Verkauf eines Buches hinauswill. Ist aber eine schöne Abwechslung. Einfach auch mal in eine Diskussion über aus dem Ausland stammende „Heimatbücher“ hineingesetzt und ein bisschen berieseln lassen und Gedichte zu hören bekommen, die einen nachdenken lassen. Vorher hätte man sich wohl von Geld berieseln lassen müssen, denn die Preise für Essen sind hoch und ein wenig unverschämt.
Das erste Mal auf einer Buchmesse: eine Erfahrung wert. Das erste Mal auf einer Buchmesse: Orientierungssinn sehr gefragt. Eine Erfahrung, die einen zu neuen Büchern leitet und zum Denken anregt, denn so viel Durcheinander verarbeitet man meist erst im Nachhinein.

Ich war dort, aber in Ruhe in Bücher reinlesen, das tat ich nur vereinzelt.  Die vielen Eindrücke springen einen an. Man durchbricht seine Planung. Auf jeden Fall einen Besuch wert. Inspirationen bekommen. Enttäuschung erlebt, darüber, dass vieles der Präsentation und Vermarktung der Verlage dient und die Aufmerksamkeit dadurch oft von den Büchern abgelenkt wird.

 Inspirationen bekommen zu verschiedenen Genres, mal etwas für mich eher Unbekanntes gesehen. Wie die Manga-Abteilung. Viele verschiedene Menschen auf einem Haufen. Vielleicht hätte ich gern noch das ein oder andere Gespräch mit einem Autor oder einer Autorin geführt, doch dazu fehlt irgendwie die richtige Gelegenheit und auch ein geeigneter Gesprächspartner, der einem ein wenig Information über sein Schreiben geben will und nicht auf Geschäftspartnersuche aus ist. Es gibt Witziges, was einen vom eigentlichen Geschehen, der Betrachtung der Variabilität der Medien, ablenkt. Fotografiert werden als sogenannter „Buchverschenker“ mit einem Schild oder so.

Insgesamt ein anstrengender, interessanter, wilder, bunter Tag. Muskelkater. Denkanstöße. Zu leerer Magen. Vieles - als Gegenstand sowie als Erfahrung - mit nach Hause genommen.

Isabell Duvekot

Klick! Die Absperrung liegt hinter mir. Klick, klick, klick. Die Menschenmassen strömen durch die Schleuse. Sie winden sich wie ein Schwarm Fische durch die gläsernen, von der Sonne aufgeheizten Gänge. Einige hängen am Rand fest und fixieren konzentriert eine Karte, von der sie sich erhoffen, den richtigen Weg zu finden. Sie sind wie Lachse, die zum Laichen die Flüsse in die Berge hinaufziehen. Sie haben ein Ziel vor Augen.
Andere lassen sich von ihrer Intuition leiten oder irren umher, wie Goldfische im Aquarium, die von einer Ecke in die andere schwimmen und dabei nichts erreichen. Niemand weiß, was in den Köpfen dieser Wesen vorgeht, vielleicht nicht einmal sie selbst.
Und dann sind da noch die Clownfische, die Seepferdchen und Seesterne. Diese schwimmen alle in eine Richtung - zur Manga-Comic-Convention, dem Korallenriff der bunten Fische, ein Rummelplatz, auf dem es schwierig wird, eine Lektüre zu finden, nicht aber ein schrilles Kostüm, mit dem sich ein Karpfen in einen Clownfisch verwandeln kann.
An einigen Stellen konzentrieren sich die Massen und starren gebannt auf Personen, die den Mund auf und zu machen. Für manche kommen nur lautlose Blasen heraus, andere wiederum scheinen ihr komplettes Umfeld ausgeblendet zu haben. Diese Personen sind das Futter, auf das sich die Fische stürzen, bis es alle ist, bis der Redner aufgehört hat zu sprechen. Doch selbst dann kreisen sie noch umher und suchen nach letzten Resten, stellen Fragen und bitten um Autogramme.
Abgesehen von den Publikumsmagneten gibt es noch Stände von kleineren Verlagen, die wie Felsbrocken im Aquarium liegen, auf denen sich alte Rochen ausruhen und darauf warten, angesprochen zu werden. Viele Tiere ziehen an diesen Felsen vorbei, da sie mit ihnen nichts anfangen können. Doch auch sie finden ihr Futter irgendwo und verweilen an vielen Stellen für längere Zeit. Sie sammeln neue Erfahrungen und entdecken neue Bücher - auf der Buchmesse.

Anton Richter