Schreibwettbewerb 2010

Die Teilnehmer wählen ihre Buchpreise aus.

Schreibwettbewerb 2010

Auch in diesem Jahr haben kreative Köpfe unserer Schule tolle Geschichten geschrieben und der Jury die Entscheidung, welche Lüchower Kriminalgeschichte die gelungenste sei, nicht leicht gemacht.

Hier stellen wir euch nun unsere Sieger und ihre Siegertexte vor:

Elena Marie Loss:  Der Tote im Amtsgarten

Anton Richter:       Der Einbruch oder Die Geschichte vom Massimobil

Marius Renell:       Morde in der Jeetzelstadt

Viel Spaß beim Lesen!

Der Tote im Amtsgarten

Elena Marie Loss, Klasse 5

Mein Name ist Anna Kabrul und ich lebe mit meiner  Familie am Stadtrand von Lüchow. Mein Vater Marc arbeitet als Privatdetektiv und meine Mutter Marion arbeitet als Frisörin. Ich gehe in die sechste Klasse des Gymnasiums.

Ich möchte euch eine Geschichte erzählen, die mir vor gut einem Jahr passiert ist.

Alle aus meiner Familie und meine Freunde kennen sie schon und ziehen mich mit ihr auf. Manchmal ist es mir ein bisschen unangenehm und peinlich, doch am Ende müssen wir alle immer sehr lachen.

Es geschah am 11.Mai 2009. Ich war auf meinem Schulweg und ging gerade über den Spielplatz am Amtsgarten. Es war ein schöner  Morgen. Die Sonne schien und ich freute mich auf den Tag. Ich träumte vor mich hin, als ich plötzlich einen lauten Knall hörte.

Ich erschrak fürchterlich und blieb erst einmal stehen. Der Knall kam von rechts, direkt aus der Richtung in die ich weitergehen wollte.  Mir war ganz mulmig zu mute.

 „Was war denn das“, fragte ich mich, „war das etwa ein Schuss?“ Ich war mir unsicher. Sollte ich einfach weitergehen oder lieber einen Umweg laufen?

 „Sei doch kein Angsthase“, sprach ich mir Mut zu!!

Also gut, mit pochendem Herzen ging ich direkt weiter. Schon von Weitem konnte ich einige Menschen erkennen. Sie standen an einem Platz. Einige hatten Kameras in den Händen, andere schauten einfach nur auf eine Stelle. Es war eigentlich ganz ruhig, doch ich hörte eine Frau schreien. Sie stand bei einem Mann, der am Boden lag. Ich erkannte von Weiten Blut im Gesicht des Mannes.

Ich hatte solche Angst und verstand gar nichts mehr. Dort lag ein toter Mann und die Frau bei ihm schrie um Hilfe. Die anderen Erwachsenen standen nur da  und  halfen nicht. Im Gegenteil, sie schauten nur und fotografierten alles noch. Plötzlich fing ich laut an zu schreien.  „Helfen Sie doch, haben Sie den Knall nicht gehört? Der Mann blutet und die Frau braucht Hilfe!“ Dann bekam ich Panik, denn nun schauten die Erwachsenen zu mir und schrieen mich an, ich solle hier verschwinden, ich würde stören. Nun fing es auch noch an fürchterlich zu regnen. Ich rannte weg, einfach nur los.

Nach einigen Metern kam ich zur Ruhe. Ich stand vor dem Haus der Elbe-Jeetzel-Zeitung in der Wallstraße und rief meinen Vater an. Vor Aufregung fiel mir zuerst seine Nummer nicht ein. Als ich die Stimme von Papa hörte fing ich an zu weinen. Ich schluchzte etwas von einem toten Mann, Blut, einer schreienden Frau und Hilfe in mein Handy. Papa versuchte mich zu beruhigen. „Wo bist Du, Anna“, fragte Papa. „Ich bin vor der EJZ“, antwortete ich. Mein Vater versprach mir, sofort zu kommen. Ich sollte warten. Nach einigen Minuten kam Marc. Ich schloss ihn in die Arme. Dann erzählte ich ihm alles. Als ich zu Ende gesprochen hatte brachte er mich nach Hause. Er rief in der Schule an und entschuldigte mich.  Ich dachte mir, wie schön es ist, dass Mama heute zu Hause ist. Sie machte mir heißen Kakao und spielte mit mir „Phase 10“. Papa hatte sich in der Zwischenzeit raus geschlichen und wollte der Sache auf den Grund gehen.

Marc ging direkt zum Amtsgarten. Aber als er dort ankam war niemand zu sehen. Er schaute sich um und suchte in jedem Winkel nach Spuren. Besonders an der Stelle, die Anna ihm beschrieben hatte. Hier sah er besonders gründlich nach. Es war die Stelle, an der der Tote gelegen haben soll. Sogar im Mülleimer schaute er nach. „Igitt, was ist denn das alles?“, ekelte er sich. Der Regen hatte alles aufgeweicht und Marc fasste mitten in ein nasses, rotes Tuch. Zum Glück hatte sich Papa seine Handschuhe angezogen. Er holte das Tuch aus dem Müll und musterte es. Er holte aus seinem Auto Plastikbeutel und steckte das Tuch hinein. „Hatte Anna wirklich ein Verbrechen beobachtet?“, murmelte er vor sich hin.

Nun schaute er noch gründlicher umher und sah hinter einem Busch eine blonde Perücke liegen. Wenige Meter entfernt lag etwas Weißes. Es hatte rote Flecken. Marc hob es auf und entdeckte auf einem Stück Papier Buchstaben und Zahlen. Die roten Flecken sahen aus wie Fingerabdrücke. „So ein Mist“, fluchte Marc, „der Regen hat alles verwischt und ich kann es kaum lesen!“  Auch diese Beweise kamen in eine Tüte.  Dann konnte er nur noch Autospuren entdecken, die voller Pfützen waren. Andere konnte er nicht finden, denn der Regen hatte alles aufgeweicht. Nach dieser Tat beschloss Papa, sich ein wenig auszuruhen. Die erst beste Gelegenheit war, sich ins „Wendel“ zu setzen und einen heißen Kaffee zu trinken. Er machte sich jetzt keinen Kopf darüber, denn nun hatte er eine Pause. Nach einer halben Stunde stieg er wieder ins Auto und fuhr nach Hause. Ich wartete schon sehnsüchtig auf Papa. Ich war neugierig, was er herausgefunden hatte. Er zeigte mir alle seine Beweise und legte sie auf den großen Küchentisch. Ich schaute mir das Tuch und die Perücke an. Besonders aber interessierte mich der Zettel. Papa erklärte mir, dass ich ihn nicht anfassen darf. „Er muss trocknen, Anna, erst dann kann ich die Fingerabdrücke nehmen“, erklärte mir Papa. „Dann rufe ich Peter an, meinen Freund bei der Polizei. Er kann uns bestimmt helfen.“

Ich hatte mir einen Block und einen Stift geholt. Ich schrieb die Buchstaben und Nummern ab, die ich erkennen konnte. Ich sah eine 01_ _/_28_ _8 und die Buchstaben _il_ - Ko_ _üm_. Papa lobte mich, er fand es eine kluge Idee und wir überlegten zusammen. Was konnte das bedeuten? „Die Nummern sind bestimmt eine Telefonnummer!“, sagte ich. „Doof ist aber, dass 5 Zahlen fehlen.“ Mit den Buchstaben konnten wir gar nichts anfangen.

Es war spät geworden. Bei der ganzen Aufregung und der Rätselei hatten wir die Zeit vergessen. Mama rief uns zum Abendessen und wir gingen ins Wohnzimmer. Wir sprachen noch lange über die Nummern und Buchstaben, aber dann musste ich ins Bett. Ich konnte zuerst nicht einschlafen. Ich las noch etwas in meinem Lieblingsbuch und dann fielen mir meine Augen zu.

Am nächsten Morgen saß Papa am Küchentisch. Er hatte die Nacht nicht geschlafen. Es lagen viele kleine Zettel auf dem Boden mit Nummern und Buchstaben. Mein Vater hatte die ganze Nacht versucht, das Rätsel zu lösen. Er hatte es nicht geschafft.

„Guten Morgen Anna“, sagte er zu mir und nahm mich in den Arm. „Ich habe gar nicht geschlafen, aber außer den Fingerabdrücken habe ich nichts herausbekommen“, sagte er müde. „Ich werde zu Peter gehen und hoffe, dass er etwas findet.“ Mama hatte den Frühstückstisch gedeckt. Sie schimpfte etwas mit mir und Papa. „Kommt nun zum Frühstück und vergesst diesen angeblichen Mord im Amtsgarten einmal ein bisschen! Jetzt wird gegessen. Hier hast Du die EJZ, Marc. Lenke Dich ab und lies etwas!“

Papa und ich gehorchten. Mama mit schlechter Laune war schlimmer als eine Woche lang Spinat. Es war ruhig am Tisch und wir aßen frische Brötchen. Lange Zeit sagte niemand etwas. Plötzlich wurde Papa ganz weiß im Gesicht. Vor Schreck hatte er fast die Kaffeetasse fallen lassen. Er schrie: „Das gibt es doch nicht.....ich fasse es nicht....!“ Mama und ich hatten uns voll erschrocken. Ich hatte mich an meinem Kakao verschluckt und hustete sehr. „Was ist denn los“, fragte ich. Papa zeigte uns einen Artikel in der Zeitung. Er las laut vor: „ Am 11. Mai wurde bei Dreharbeiten zu einem Tatort in Lüchow  etwas verloren. Es handelt sich um eine Perücke. Sie ist blond und wurde im Amtsgarten liegen gelassen. Sie gehört der Hauptdarstellerin. Ohne sie können wir den Film nicht weiterdrehen. Bitte melden Sie sich unter: Film-Kostüme mit der Telefonnummer 0183/428978.“ Ich holte sofort meinen Zettel mit den Zahlen und Buchstaben und verglich sie.

„ Mama, Papa, es passt alles!“, rief ich. Wir schauten uns alle an. Keiner sagte etwas. Plötzlich fingen Mama und ich fürchterlich an zu lachen. Papa fand das alles zuerst gar nicht so witzig. „Ich habe mir die ganze Nacht den Kopf über einen Mord zerbrochen, obwohl es gar keiner war?“

Darüber mussten Mama und ich noch mehr lachen, und Papa dann auch.

Das war meine Geschichte. Ich bin sehr froh, dass es kein richtiges Verbrechen war und gut ausgegangen ist. Ich hoffe, sie hat euch gefallen.

                                                  Eure Anna.

                                               

 

Morde in der Jeetzelstadt

Marius Renell Klasse 10

 

Etwas regte sich in ihm, als er die näher kommenden Sirenen hörte. Es war dieses schamhafte, unehrenwerte Gefühl, das sich auf den Beginn neuer Ermittlungen freute. Noch einmal blickte er in das Gesicht des Opfers: Blutumlaufen, die Augen offen stehend guckte ihn die Frau aus ihren brauen Augen an. Ihr nasses, langes blondes Haar schmiegte sich sanft an die Konturen ihres Gesichts. Es war Susann, ein alte Schulfreundin von ihm. Das Loch an ihrer linken Schläfe war nicht besonders groß, doch für sie tödlich gewesen. „Wenigstens kein langer, schmerzhafter Tod“ dachte Joe bei sich. Es verletzte ihn innerlich sehr, dass eine ihm so nah stehende Person gestorben war. Sie hatten gerade in letzter Zeit viel zusammen unternommen, sodass ihn dieser Fall doch mehr aufzuwühlen schien, als er zugeben wollte. Doch er hatte im Laufe der Jahre gelernt mit einigen Verlusten umzugehen, er würde auch über diesen verlorenen Menschen hinwegkommen müssen. Joe stand allein im Amtsgarten von Lüchow …. noch. Doch er sah schon von Weitem ein paar Männer auf sich zu laufen. „Joe Chrande, als hätte ich es nicht besser wissen müssen.“ Mit schleppendem Schritt keuchte Karl Schaf auf ihn zu. Es sah auf eine gewisse Art komisch aus, wie dieser etwas mollige Mann versuchte einen guten und mächtigen Eindruck auf ihn zu machen, dabei aber eher mühselig und niedergeschlagen, ja sogar ein bisschen witzig wirkte. Sie konnten sich beide nicht leiden, was auf reiner Gegenseitigkeit beruhte. Joe mochte ihn nicht, da Karl ihm seit einiger Zeit immer einen Mord anhängen wollte. Für Joe gab es nur einen Grund dafür: Karl konnte nicht akzeptieren, dass Joe trotz fehlender Ausbildung Fälle aufklärte und ein gewisses Ansehen in der Bevölkerung genoss. Langsam ging der Polizist um das Opfer herum und untersuchte den Tatort. „Das sieht nach einem Mord aus. Selbstmord können wir meines Erachtens nach ausschließen, weil weit und breit keine Mordwaffe zu sehen ist.“, sagte Karl routiniert. „Sie muss an einem….“ – „Kopfschuss gestorben sein“, fiel Joe dem Polizisten ins Wort. „Danke Joe, aber ich würde mich sehr freuen,  wenn du mich meinen Job auch mal allein machen lässt“, erwiderte Karl bissig. Ein anderer Polizist notierte sich alles sorgfältig in einem Notizblock. „Wenn du sowieso schon einmal hier bist, kannst du uns ja auch vielleicht verraten um wen es sich hier handelt? Es liegt ja in deiner Natur die Mordopfer zu kennen.“ Karl funkelte ihn böse an. Immer wenn Karl Joe dabei beobachtete, wie er sicher und bedacht die richtigen Schritte zur Ermittlung durchführte, und am Ende sogar einige Fälle löste, schien das in dem Polizisten eine ungeheure Wut zu entfachen. „Es ist eine Bekannte von mir, sie heißt Susann Breder. Sie wohnt am Wiesengrund 14 und ist 32 Jahre alt.“ Der nebenstehende Polizist notierte sich wieder alles sorgfältig auf seinen Block. Er kam Joe bekannt vor, doch ihm wollte nicht einfallen woher.  „Herr Chrande, wir müssen Sie leider bitten, uns auf das Revier zu folgen, zu einem Verhör.“, sagte der neue Polizist in einer sehr monotonen Art und Weise. Karls Blick richtete sich nun an ihn. „Um Himmels Willen, gönnt mir denn heutzutage keiner mehr meinen Job? Kramer, sie schreiben, ich rede, kapiert?“. Seine Stimme wurde kurz lauter, doch er beruhigte sich schnell wieder. Kramer war also sein Nachname. Joe hatte den Namen noch nie zuvor gehört. Jedoch hielt Kramer dem Blick von Karl stand, und wirkte nicht im Geringsten eingeschüchtert. „Ist schon alles OK, ich gehe ja mit. Wir treffen uns dann so in einer Viertelstunde auf dem Revier?“, fragte Joe. „Du kommst jetzt mit oder wir führen dich ab, ganz nach deiner Wahl.“, sagte Karl verschmitzt. Er liebte es seine Macht auszuspielen. Aber konnte Joe ihm das wirklich übelnehmen? Als Schützer des Gesetzes hätte er sicherlich auch von seiner Position Gebrauch machen müssen, doch ihm würde es gewiss nicht so viel Genugtuung bereiten wie Karl. Langsam trottete er in Richtung Polizeiwagen und folgte den beiden Polizisten hinterher. Am Tatort befand sich nunmehr eine große Menschenmasse, die durch den Lärm der Sirenen geweckt worden war. Zwei Polizisten machten Fotos von dem Opfer, einer untersuchte weiterhin die am Boden liegende Frau und ein anderer versuchte die andrängende Menschenmenge zurück zu halten. Sie alle starten und zeigten auf die Frau am Boden, mit entsetzten und schockierten Gesichtern. Die Leiche lag nahe einer Linde, welche gerade bei dieser Abenddämmerung durch ihre weißen Blüten zum hinschauen anregte. Das Weiß und das Rot der Blutlache am Kopf bildeten einen eigenartigen Kontrast, jedoch nicht für Joe. Gewohnt lässig stieg er in den Polizeiwagen, schlug die Tür schon von selbst zu, und sah dem aufgewühlten Tumult und seiner toten Freundin dort im Amtsgarten mit gemischten Gefühlen durch die Fensterscheibe nach….

„So, Herr Chrande, dann erzählen Sie mal, was Sie zum Tatort geführt hat“ sagte Karl, während er versuchte einen möglichst professionellen Eindruck auf Joe zu machen. Er saß seit ungefähr einer Viertelstunde in diesem dunklen Zimmer, da Karl sich alle Zeit gelassen hatte um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Es war stickig, zugequalmt und sehr klein für ein Verhörzimmer, aber es war ja auch keine Großstadt, in der sie sich befanden. „Ich bin durch den Amtsgarten gegangen, um ein bisschen frische Luft zu kriegen. Wie du weißt – Entschuldige, wie Sie wissen, Herr Schaf, wohne ich „An den Gärten“ und deshalb lag es quasi auf dem Weg.“ „Und was führte Sie zu dieser Uhrzeit dorthin?“ „Ich war bei einer Kunstausstellung im Gymnasium. Und danach habe ich eben diesen Weg zurück genommen.“ „Berger, überprüfen sie wann die Ausstellung geendet hat.“ Hinter einer Scheibe regte sich etwas, doch von dem Verhörraum aus war nur ein Spiegel zu erkennen. „Das heißt sie waren zur Zeit des Mordfalls in der Schule. Gibt es dafür Zeugen?“ „Jede Menge sogar. Fragen sie doch aber am Besten den Polizisten, der dort Wache gehalten hat, er müsst mich erkennen.“ Grimmig verließ Karl den Raum. Man konnte nach kurzer Zeit ein Geräusch im Nebenraum hören. Es dauerte wieder einige Minuten, bis Karl den Raum betrat. Seine Miene war ausdruckslos, doch sobald er anfing zu Reden breitete sich ein funkeln auf seinem Gesicht aus. „Nun Herr Chrande, der Polizist Kramer konnte sie wieder erkennen. Jedoch müssen Sie uns in den nächsten Tagen für weitere Fragen zur Verfügung stehen.“ Es klang nicht wirklich böse, wie Karl es sagte, aber er schien eindeutig etwas gegen ihn zu haben. „Dann darf ich jetzt nach Hause gehen? Bin nämlich schon ganz schön müde, ich meine, es ist ja auch schon 21:45 Uhr. Wir sehen uns dann bald mal wieder, Herr Schaf?“ Lächelnd erhob sich Joe von seinem Stuhl und ging in Richtung Tür. „Das werden wir. Wohl oder übel werden wir das, Joe.“ Schwang da gerade eine Spur von Hinterlist in seiner Stimme? „Ich muss wohl schon ziemlich müde sein“¸ dachte Joe zu sich selbst und verließ den Raum. Er wollte gerade das Revier verlassen, als er den Bericht für den Fall auf dem Tresen liegen sah. Ein paar zusätzliche Informationen konnten nie schaden. Langsam ging er einen Schritt rückwärts, dann noch einen. Von Weitem konnte er nur entziffern: „Susann Breder ….  32 Jahre …. Kopfschuss …. starb im Amtsgarten Lüchow….möglicher Täter Joe Ch…..“ „Dieser Chrande bringt mich noch um den - “ Karl war urplötzlich aus der Tür zurück ins Hauptrevier getreten und blickte nun auf Joe. „Was treibst du dich denn noch hier rum. Lass das Rumschnüffeln sein, sonst buchte ich dich gleich ein.“ Joe verließ selbstbewusst und ohne sich umzublicken das Revier und trat ins Freie. Etwas hatte Karl zu verbergen, und er würde noch herausfinden, was es war….

Es war schon spät am Nachmittag, als Joe bereits wieder auf den Beinen war, um den Mordfall zu lösen. Es war Wochenende, eigentlich eine Möglichkeit zum Entspannen, aber der Mord an seiner Bekannten lies ihm keine Ruhe. Er war auf dem Weg zur Danziger Straße, dem Wohnort von Karl, da er wusste, dass dieser gewöhnlich um diese Zeit Joggen geht. „Beweise tauchen nie auf, sondern man muss sie suchen“, dachte Joe und ging weiter in die Richtung von Karls Haus. Es stand ziemlich abseits der anderen Häuser und grenzte mit dem Garten an die Jeetzel. Er klingelte dreimal, nur um sicher zu gehen, dass keiner zu Hause war. Danach schlich er um das Haus, auf der Suche nach einem offenen Fenster oder etwas in der Art. „Die Terrassentür tut es natürlich auch.“ Joe schmunzelte über die Zerstreutheit von Karl, einem sonst so exakten Arbeiter und ging von hinten in das Haus hinein. Es passte nicht zu Karl, und das störte Joe auch, doch solche Kleinigkeiten mussten warten. Eigentlich war es nicht seine Art, einfach in fremde Wohnungen zu gehen, doch die innerliche Unruhe ließ ihm keine andere Möglichkeit. Es musste irgendwelche Unterlagen über den Mord bei Karl geben. Er stand nun in dem Wohnzimmer der Familie Schaf. Niemand schien da zu sein, weder Karls Frau noch er selbst. Das Zimmer war sehr geräumig für lediglich zwei Personen, und neben einer Couch und zwei Sesseln konnte Joe noch weitere Möbelstücke sehen. Er schaute sich in Ruhe um und betrachtete Regale und Stapel von Zetteln, doch es war nichts Brauchbares zu finden. „Ich muss aufpassen, dass ich keine Spuren auf dem Boden hinterlasse.“ Es schien alles frisch geputzt, und auch die Fenster strahlten vor Glanz. Nach einiger Zeit entdeckte Joe jedoch einen geöffneten Brief, der mitten auf dem Wohnzimmertisch lag. Es war kein Absender zu entdecken und auch die Adresse fehlte. „Mit der Post kann dieser Brief nicht gekommen sein“ dachte Joe, und entfaltete ihn dabei vorsichtig. „Entweder du erwischt ihn bald, oder deine Frau und weitere Opfer müssen für ihn herhalten!“ Ein Kribbeln durchfuhr Joe, als er das las. Es war nicht Handschriftlich geschrieben, sondern aus Buchstaben von Zeitschriften zusammengesetzt. Kein Zweifel, mit „ihm“ konnte nur Joe selbst gemeint sein. Deswegen benahm sich Karl so merkwürdig, deshalb traf Joe der Tod dieses Opfers so besonders, es war alles geplant. „Wenn Karl nicht dafür sorgt, dass ich in den Knast gehe, wird seine Frau sterben“ Für Joe ergab nun alles einen Sinn. Doch wie sollte man Karls Frau aufspüren, ohne dass der Entführer sie vorher umbringt. Es war ein äußerst vorsichtig zu behandelndes Unterfangen, dass wusste Joe nur zu gut. Er durchsuchte weiter Stapel neben dem Tisch, fand aber keine weiteren Briefe. Doch plötzlich regte sich etwas an der Tür: Karl musste vom Laufen wieder zurückgekommen sein. Rasch rannte Joe hinaus in den Garten und versteckte sich hinter einem Gebüsch. Doch leider hatte er in der Eile vergessen, den Brief aus der Hand zu legen. Wieder durchfuhr ihn ein Kribbeln, denn die Reaktion von Karl, wenn der Brief weg ist und er die offene Tür sah, mochte bizarr werden. Joe wartete mehrere Minuten lang darauf, dass Karl ins Wohnzimmer trat, doch es tat sich nichts dergleichen. Er schlich näher heran, um die Lage genauer zu erkennen, doch auch von dort konnte er weder Karl noch irgendwen anderes sehen oder hören. Schließlich nahm Joe all seinen Mut zusammen und schlich wieder ins Haus, um den Brief wieder auf den Tisch zu legen. Er trat leise, und ungewohnt sanft, in die Stube und legte den Brief lautlos auf den Tisch. Gerade aber, als er wieder hinausgehen wollte verhakte sich sein Mantel  an einem kleinen Kerzenhalter, der darauf scheppernd zu Boden fiel. „Wer ist da?“ So stellte sich Joe die Antwort auf sein lautes Missgeschick  vor, doch es war nichts dergleichen zu hören. Er stellte den Kerzenhalter vorsichtig wieder hin und ging zur vorderen Tür.  Dort sah er den wirklichen Grund für das Geräusch: Jemand hatte einen weiteren Brief unter der Tür hindurch geschoben. Vorsichtig hob Joe ihn auf und wollte ihn gerade öffnen, als er Stimmen vernahm, die eine heftige Diskussion führten. Dieses Mal war Karls Prusten und Protestieren kaum zu überhören! Joe rannte erneut zur Terrassentür, machte sie durch einen sanften Stoß einigermaßen zu und sprintete in den Garten. Den Brief hatte er auch dieses Mal in den Händen behalten, nur dass er ihn jetzt mitnehmen würde….   

„Locke Joe heute um 21:30 Uhr  zum Amtsturm, wenn nicht, siehst du Jessica nur noch Tod vor dir liegen!“ Dieser Satz war in dem Brief, den Joe mit sich genommen hatte. Er war wieder nur aus ausgeschnittenen Buchstaben zusammengesetzt, der Täter verschenkte also keine Fehler bei kleinen Dingen. Doch wie sollte Joe nur das ganze Geschehen noch zu einem guten Ende wenden? Karl konnte er in diese Angelegenheit nicht mit einbeziehen, da die Gefahr auch für sein Leben einfach zu groß wäre. Doch Joe konnte dem Treffen nicht fern bleiben ohne das Leben von Jessica zu gefährden. Es war nun schon fast 21:00 Uhr, und würde somit nicht mehr lange dauern, bis sich der Täter dem Amtsturm näherte. Er musste ihm eine Falle stellen und ihn somit überraschen, überwältigen und Jessica retten. Joe hasste es Gewalt anwenden zu müssen, doch in dieser Situation blieb ihm nichts anderes übrig: Ausgerüstet mit einem Pfefferspray und einer Waffe, schlich er in den Amtsturm. Er wollte von oben einen besseren Überblick haben, auch wenn das bei dieser Dunkelheit schwer fiel. Die Tür war zu seinem Glück nicht abgeschlossen, was ihn zwar etwas misstrauisch machte, aber man soll dem Glück ja nicht abdanken. Langsam schritt er die Treppenstufen empor und öffnete die Tür, die zu der äußeren begehbaren Umrandung des Turmes führte. Er wollte gerade einen Blick nach unten werfen, als er eine Stimme hinter sich hörte. „Hallo Joe, kennst du mich noch?“ Abrupt drehte er sich um und wollte zu seiner Waffe greifen, jedoch wurde er nun von Hinten überrumpelt. Er konnte seinen anderen Feind nicht erkennen, sah jedoch die Person, von der die Stimme kam, deutlich vor sich. „Jessica“, höhnte Joe. „Ich wusste, dass du nicht gefangen bist. Das Haus war viel zu sauber, als dass es von Karl geputzt worden wäre.“ „Das hilft dir jetzt leider auch nicht viel weiter.“, entgegnete sie ihm spöttisch. Die Person hinter ihm hielt weiterhin seine Arme und Hände zusammen auf dem Rücken, sodass Joe nicht das Spray erreichen konnte. „Endlich bekomme ich meine Rache, nachdem was du mir angetan hast.“, nun sprach sie mit einer seltsam boshaften Stimme. „Was habe ich denn gemacht?“ Joe konnte sich zwar an einige Schuljahre erinnern, die sie beide zusammen verbracht hatten, wusste jedoch nicht worauf sie hinauswollte. „Du hast mich damals mit einem anderen Mädchen betrogen, dass werde ich dir nie verzeihen. Ich konnte jahrelang niemand anderen lieben, weil ich meine Zeit und Gedanken an dich verschwendet habe.“ Ihre Stimme wurde nun lauter, aber auch sentimentaler. „Es war nichts mehr zwischen uns beiden. Versteh das doch mal!“ Joe konnte sich wieder an die Zeit erinnern, wie hatte er es nur vergessen können. Jedoch war ihm auch klar, dass er sich von ihr getrennt hatte bevor er ein anderes Mädchen gehabt hatte. „Du sollst genauso leiden wie ich damals gelitten habe, du sollst sterben!“ Sie fing nun an wütend zu werden. „Das ist doch kein Grund mich umzubringen?“ Joe verstand die Welt nicht mehr. „Du kannst mich aber nicht umbringen, das könntest du nicht.“ „Stimmt ich nicht, aber jemand anderes“ Ein hämisches Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Kennst du mich noch Joe?“ Der Mann hinter ihm, wie er nun erkannte,  sprach nun. „Wer bist du?“ rief Joe und versuchte dabei sich loszureißen, doch der Mann war stärker. „ Harald Humper, wie ich damals hieß.“ „Was wird das hier?“ Joe erkannte nun auch ihn wieder. „Du hast mir meine Freundin ausgespannt und dafür wirst du leiden.“ „Sie hat sich vor zwei Jahren in mich verliebt, ich habe aber nein gesagt!“ „Sie hat sich von mir getrennt und das deinetwegen, dafür wirst du büßen.“ Joe wurde auf einmal auf den Boden geschubst, und als er sich wieder umdrehte war eine Pistole auf ihn gerichtet. Es war der Polizist Kramer, der ihm da eine Waffe an den Kopf hielt. Er musste unter falschem Namen angestellt sein. „Sag auf Wiedersehen zu deinem Leben, Joe Chrande.“ Joe hörte einen Schuss, und er wusste nicht wie lange es dauerte bis er sterben würde oder vor Schmerzen in Ohnmacht fiel.  Als er jedoch die Augen wieder öffnete, sank Kramer mit weit aufgerissenen Augen vor ihm zu Boden. Er blutete aus der Brust. Als Joe sich nach rechts drehte erkannte er auch, wer geschossen hatte. „Harald. Nein.“ Schrie Jessica schluchzend. „ Karl, was machst du da?“ Jessica brüllte ihn an und rannte zu Kramer. Sie beugte sich über ihn und fing an zu weinen. Doch ihre Mine veränderte sich schlagartig, als sie die Waffe von Kramer vor sich sah. „Dafür wirst du sterben, Karl, ich habe Harald geliebt!“ Sie griff zur Pistole und richtete sie hasserfüllt auf Karl, doch er war schneller. Sein Schuss ging direkt in ihr Bein und sie sackte sofort zusammen. Sie ließ die Waffe fallen und fiel auf Kramer, schluchzend und immer noch schreiend. „Ich rufe schnell die Polizei, Karl.“ Sagt Joe und richtete sich auf. „Nicht nötig. Der Krankenwagen und die Polizei sind schon unterwegs, ich habe sie kurz bevor ich rauf gekommen bin informiert.“  Joe sah nun auch die ankommenden Lichter und hörte die Sirenen der Wägen. „Ich wollte dich zwar ein bisschen leiden lassen, weil du allen Ruhm bekommst und ich immer unbeachtet bleibe, “ sagte Karl mit ausdrucksloser Miene, „aber ich wollte dich nie umbringen. Es tut mir Leid, dass es so weit gekommen ist, doch Jessica war einfach nicht mehr aufzuhalten.“ Nun blickte er Joe in die Augen und zeigte Gefühle von Trauer. „Es ist aus dem Ruder gelaufen. Ich hätte besser aufpassen müssen, wo ich mir überall Feinde gemacht habe.“, sagte Joe. Er hört nun nur noch die Schritte auf den Treppenstufen, das Weinen und Schluchzen von Jessica, und die Sirenen, mit denen alles begonnen hatte…

Unsere Sieger des Lyrikwettbewerbs 2009

Am 08.05.09 kürten wir die Sieger des gymnasiumeigenen Lyrikwettbewerbs. Die Schüler reichten Gedichte zu den Themen "Ich und die Anderen" und "Im Dunkeln" ein. Die besten Texte stellen wir euch nun hier vor. Vielleicht lasst ihr euch inspirieren und nehmt im nächsten Jahr am Schreibwettbewerb teil. Das Thema des kommenden Wettbewerbs lautet: "Lüchower Krimigeschichten".

Viel Spaß beim Lesen der Gedichte und bis zum nächsten Jahr!

 Charlotte Grewe "Wo Schatten ist, da ist auch Licht"

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