Musikwoche Hitzacker 2011 im Gymnasium Lüchow: 3. Bläserakademie
Wie bringt man junge Leute dazu, z.T. trotz nahenden Abiturs oder Facharbeit, ein freies Wochenende in der Schule zu verbringen? Die Musik macht's: Das zeigen die beiden Banner der Musikwoche Hitzacker mit dem Aufdruck „Bläserakademie“, die seit Anfang Februar am Eingang des Gymnasiums Lüchow prangen.
23 Mitglieder der Bläserakademie aus den Gymnasien Lüchow und Dannenberg, der Realschule Lüchow sowie der KGS Clenze halten in den Räumen des Lüchower Gymnasiums mit ihren Lehrern Tobias Willner, Solotrompeter der Sächsischen Staatskapelle Dresden, und Professor Olaf Krumpfer von der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ in Dresden in der Zeit vom 05. - 07. bzw. 18. - 20. Februar ihre nunmehr dritte Bläserakademie ab, in Vorbereitungsproben auf den jeweiligen Kurs eingestimmt von ihrer Lehrerin und Initiatorin der Bläserakademie Renate Gollub. Die Bläserschülerinnen und -schüler, im täglichen Leben eigentlich eher nicht in Barock- und klassischer Musik oder Romantik zu Hause, befassen sich zweieinhalb Tage, das bedeutet zwanzig volle Stunden lang mit genau dieser Musik.
Steht man lauschend vor der Tür, hört man zunächst nichts.
Aha, weiß der Insider, es wird die Atmung trainiert, denn ohne eine so genannte gute „Stütze“ durch das Zwerchfell geht gar nichts. Für Blechbläser ist aber das Training eines weiteren Teiles, und zwar im Kopfbereich, unumgänglich: der Lippen. Für Untrainierte schwer vorstellbar, dass man allein auf den Lippen Tonleitern „spielen“ oder Glissandi hervorzaubern kann. Und so hört der vor der Tür Lauschende plötzlich ein zartes, melodisches Gesumm.
Als nächster Übungsschritt folgt das Spielen einer Melodie allein auf dem Mundstück. Nach der Schwerarbeit des Lippentrainings wirkt die Benutzung des Mundstücks als Erleichterung – und auch die Lautstärke wächst. Wenn nach entsprechenden Übungen das Mundstück endlich auf das Trompetenrohr gesteckt wird, atmen alle auf: Die anstrengende Vorbereitung ist abgeschlossen, nicht aber das Üben, denn nun folgt das Training von Crescendo und Decrescendo. Dabei wird jeder Schülerin, jedem Schüler individuelle Beratung zuteil, zu jedem Kursteilnehmer sucht Tobias Willner Zugang, alle sollen ein Gefühl für den eigenen Körper, den eigenen Luftweg entwickeln.
Erst nach solcherart erfolgter Vorbereitung geht es an neue Stücke: Doppelchörige Trompetenaufzüge aus dem 18. Jh. für zweimal vier Stimmen und die zehnstimmige Sonate Nr. 51, beides von Anonymus, werden einstudiert und die im September während der 2. Akademie an der Musikhochschule in Dresden erarbeitete Musik wird der Feinarbeit unterzogen.
Auch die an der Posaunenakademie teilnehmenden Schülerinnen und Schüler erwartet vom 18. - 20. Februar ein ähnliches Programm. Auch Professor Krumpfer berät jeden Teilnehmer individuell, gibt nach Atemtraining und Vorbereitung des Lippenapparates Tipps zu Tonbindungen und ökonomischer Arbeit des Posaunenzuges zur Erhöhung des Spieltempos und der Intonationssicherheit.
Strahlende, schmetternde Trompeten- und schmelzende Posaunenkläne, warm und weich – hören kann man sie am 21. Februar um 20.00 Uhr im VERDO in Hitzacker.
Ebenfalls hören und sehen kann man die Schülerinnen und Schüler der Bläserakademie bereits am 18. Februar um 18.15 Uhr in der Fernsehsendung „Lust auf Norden“ in N3 – die Musikwoche Hitzacker macht's möglich – und Fleiß sowie die Lust am Musizieren.
(Renate Gollub)