Fahrt der Jahrgangsstufe 10 nach Neuengamme 2016

Geschichte mal anders

An unserer Schule ist es Tradition, dass der 10. Jahrgang im Rahmen der Projekttage eine Konzentrationslager-Gedenkstätte besucht. Die bisherigen Jahre fand dies in der Gedenkstätte Bergen-Belsen statt. In diesem Jahr lief es jedoch anders.

Dienstag, 7:45 Uhr.
Der 10. Jahrgang steigt in die Busse ein, die sie zum heutigen Tagesziel bringen werden. Die Spannung steigt langsam, während die Schüler ihrem Ziel entgegenfahren. Groß sind nun die Erwartungen an Neuengamme. Zur Erleichterung aller Beteiligten wurden diese Erwartungen in vollem Umfang erfüllt.

Ankunft, 9:45 Uhr.
Die 60 Schüler und die dazugehörigen Klassen- bzw. Geschichtslehrer betreten das Gelände der Gedenkstätte. Ein mulmiges Gefühl breitet sich aus, da ihnen die bekannten Fakten und Aufnahmen durch den Kopf gehen. Erste geflüsterte Worte, wie zum Beispiel „Hier, genau hier könnte jemand gestorben sein“, oder „Man muss sich das mal bildlich vorstellen, dieses Leid“ lassen die Gefühle und Gedanken deutlich werden. Der große, nur aus Betonplatten bestehende Appellplatz lässt einen das Ausmaß der Anlage erahnen.

10:00 Uhr.
Die Führung mit den Guides der Gedenkstätte beginnt. Die Fakten zu den Baracken, Arbeitskommandos, Lebensbedingungen und Hinrichtungen regen das negative Kopfkino an. Besonders der „Arrestbunker“, ein kleines Gebäude für Inhaftierungen und Hinrichtungen verbreitet Gänsehaut und Unbehagen. „1942 wurden hier in zwei Aktionen über 400 sowjetische Kriegsgefangene hingerichtet. Man sperrte sie ein, dichtete das Gebäude ab und leitete Zyklon B hinein. Die bereits seit Stunden stramm stehenden Häftlinge, die nur auf das Ende des obligatorischen Appells warteten, mussten ihnen beim Sterben zuhören“. Diese Fakten, die den Schülern von den Guides nahegebracht wurden, sorgten für Fassungslosigkeit. Im weiteren Verlauf der Führung wurde neben den Außenbereichen auch die Hauptausstellung und der von den Häftlingen per Hand gegrabene Kanal.

13:00 Uhr.
Die Führung endet. Nun ist es jedem selbst überlassen, sich in kleinen Gruppen über das Gelände und durch die insgesamt vier Ausstellungen zu bewegen. Die Ausstellungen sind sehr hochkarätig und informativ. Jedem war spätestens nach dem Besuch im „Haus des Gedenkens“ klar, welche Gräueltaten die NS-Führung angeordnet und durch die SS hat durchführen lassen.

15:40 Uhr.
Als Treffpunkt war der Eingang vereinbart worden. An diesem befand sich ein kleiner Buchladen, in dem sich die Interessierten mit Literatur versorgen konnten.

18:00 Uhr.
Ankunft in Lüchow. Das Erlebte wirkt noch lange nach. Die Gespräche in den Bussen drehten sich hauptsächlich um die schrecklichen Ereignisse von damals. Vor der Arbeit mit den Erfahrungen und Eindrücken in der Schule, konnte man noch eine Nacht darüber schlafen.

Am nächsten Tag begannen in der Schule die Projekttage. Wie seit Jahren üblich beschäftigte sich jede Klasse bzw. jeder Jahrgang mit einem anderen Thema. Der 10. Jahrgang bereitete einige Dinge über den Besuch der Gedenkstätte und über den Umgang mit den Ereignissen der Vergangenheit vor. Unter anderem wurde auf dem Gedenkstättengelände gedreht und daraus ein eigener kleiner Dokumentarfilm produziert oder Gedichte zu der Frage „Warum soll ich trauern?“ geschrieben. Es wurden Plakate, Power-Point-Präsentationen und andere Visualisierungen für die Ausstellung vorbereitet. Der Schwerpunkt: Täter-Opfer. Außerdem wurden wichtige Akte der Gerechtigkeit wie die Nürnberger Prozesse oder der Eichmann-Prozess besprochen.

Die Fahrt zur Gedenkstätte Neuengamme wird den Schülern noch lange im Gedächtnis bleiben. Ein oft gesagter Satz: „Diese schrecklichen Dinge dürfen nie vergessen werden.“

Der 10. Jahrgang hofft, dass die „Ausstellungen“ in den Klassenräumen die Besucher zum Nachdenken und Erinnern anregen. Den Toten zur Ehr, dem Leiden zur Wehr, den Lebenden zur Mahnung, eine ewig bestehende Warnung.