Deutsch-arabischer Kulturdialog



„Gemeinsame Grundlagen teilen“ - so lautete das Motto des ersten deutsch-arabischen Kulturdialogs im Königreich Bahrain. Vom Gymnasium Lüchow nahm neben den Schülerinnen Nadja Bengart und Dorothee Gotthardt (Jahrgangsstufe 13) als Leiter der Zukunftswerkstatt der UNESCO-Schulkoordinator Winfried Waldeck teil. Aus Lüneburg nahmen zwei Schüler der Christiani-Realschule teil, begleitet vom UNESCO-Landeskoordinator Heinz-Jürgen Rickert, der einen Theater-Workshop leitete. Ein einführendes World Café, das die deutschen und arabischen Schülerinnen und Schüler miteinander ins Gespräch über Gemeinsamkeiten bringen sollte, wurde geleitet von Peter Herrmann, Schulentwicklungsberater des Kultusministeriums von Baden-Württemberg.

Organisiert wurde der Workshop vom bahrainischen General Office for Youth and Sports (GOYS) und von der Deutschen Botschaft in Manama/Bahrain, dort namentlich von Frau Schoek-Awachi und von Frau Fürst. Die Einladung auch der Lüchower Teilnehmer erfolgte durch das Auswärtige Amt. Ziel des Kulturdialogs war es, in gemischten deutsch-arabischen Gruppen an gemeinsamen Themen zu arbeiten, um sich persönlich kennen zu lernen, Interesse an Kultur und Lebensstil des Anderen zu entwickeln und über den Zeitraum der Tagung hinaus persönliche Kontakte zu initiieren und zu etablieren.

Als Beispiel sei hier der Ablauf der Zukunftswerkstatt über zwei Tage vorgestellt: Die Schülerinnen und Schüler ermittelten zunächst in gemischten Gruppen ihren ökologischen Fußabruck über die hervorragende Internetseite www.footprint.ch (aktualisiert und gepflegt vom WWF Schweiz). Dabei wurde deutlich, dass sowohl Deutsche als auch Araber der Golfstaaten mit ihrem hohen Lebensstandard einen großen ökologischen Fußabdruck auf unserem Planeten hinterlassen. Wenn alle Bewohner der Erde einen ähnlichen Lebensstil hätten, würden im Schnitt mehr als drei Planeten benötigt (!). In Kleingruppen wurden dann bestimmte Problembereiche inhaltlich vertieft und mögliche Lösungsansätze entwickelt:

Global Warming – Klimawandel

Water – Wasser

Food – Ernährung

Resources and Recycling – Ressourcen und Recycling

Urbanization – Verstädterung

Das letzte Thema beinhaltete einen Vergleich der Verstädterung in Bahrain und in Hamburg. Beide Räume sind von der Fläche her etwa gleich groß. Während Hamburg an so genannten Entwicklungsachsen ins Umland wächst, sind in Bahrain bis 2030 große Projekte zur künstlichen Landgewinnung geplant, die die Fläche des Staates erheblich vergrößern werden. Zusätzlich zur bestehenden Landverbindung nach Saudi-Arabien (King Fahad Causeway) ist auch eine Brückenverbindung nach Qatar geplant und somit eine Straßenverbindung in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Oman. Während Bahrain einseitig auf den Ausbau von Straßen und Autobahnen setzt, will Hamburg an den Entwicklungsachsen die Bahnverbindungen ins Zentrum verbessern (Park and Ride-System).

Alle Präsentationen wurden im Rahmen der Abschlussfeier (Closing Ceremony) in Kurzform einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt, darunter dem Deutschen Botschafter in Bahrain und Mitgliedern des in Bahrain herrschenden Königshauses. Sowohl die Präsentationen als auch die Aufführung des Theaterworkshops erhielten viel Beifall. Die Resonanz auf den ersten deutsch-arabischen Kulturdialog in Bahrain fiel somit sehr positiv aus.

Auf einer halbtägigen Exkursion lernten die Gäste aus Deutschland auch einige touristische und kulturelle Höhepunkte des Königreichs Bahrain kennen:

Im sehr sehenswerten Nationalmuseum werden die wichtigsten geschichtlichen Epochen des Landes von der sagenhaften Dilmun-Kultur bis zur heutigen Zeit anschaulich dargestellt.

In der größten Moschee des Landes (Al Fateh Mosque) wurden die Besucher durch das Gebäude geführt, erhielten fundierte Einblicke in die islamische Religion und konnten über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Islam und Christentum diskutieren.

Im ehemaligen Stadtpalast des Urgroßvaters des jetzigen Herrschers wurden die Vorteile der traditionellen Bauweise mit Windtürmen und dicken Außenmauern aus Korallenstein im feucht-heißen Klima deutlich.

Das modernste Bürogebäude des Landes (Bahrain World Trade Center) mit Windrotoren und Photovoltaik hat dagegen bisher noch nicht seine Nachhaltigkeit unter Beweis stellen können, denn die zwei großen Windrotoren arbeiten noch nicht.

Am Schluss wurde das UNESCO-Welterbe Bahrain Fort besichtigt, eine Festungsanlage aus der Zeit der portugiesischen Herrschaft, das auf einer Geländeerhebung am Stadtrand und in der Nähe von alten Dattelpalmen-Plantagen liegt. Bahrain besitzt bedeutende Süßwasserquellen, die aber in letzter Zeit mehr und mehr erschöpft sind.

Alles in allem war der Aufenthalt in Bahrain sehr erfolgreich, vor allem in Bezug auf den euro-arabischen Dialog unter Jugendlichen, in den das Gymnasium Lüchow auch im Netzwerk der UNESCO-Projektschulen eingebunden ist.


Winfried Waldeck

 



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