Leipziger Buchmesse 2018

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt der Bus auf dem riesigen Parkplatz des Messegeländes zum Stehen.

Draußen angekommen, hat man die Freude, endlich wieder frische Luft zu atmen. Die Masse bewegt in Richtung der Messehalle, welche natürlich am anderen Ende des Parkplatzes liegt.

Auf ein Labyrinth aus anderen Reisebussen folgt ein Meer aus Autos der privat angereisten Besucher. Je näher wir der Messehalle kommen, desto größer wird die Masse an Menschen, die in das Gebäude strömen, wie Motten vom Licht angezogen. Direkt vor dem Eingang muss sich jeder noch einer Sicherheitskontrolle unterziehen. Ist es eigentlich normal, sich dabei wie ein Schwerverbrecher zu fühlen, obwohl man nichts verbrochen hat?

Das Innere der Halle scheint wie eine andere Welt und erzeugt dadurch Überforderung und einen Verlust an Orientierung. Menschen, überall Menschen. Groß und klein, dick und dünn, Familien, Paare, Schulklassen. Dazu kommen noch diese schick angezogenen Männer und Frauen, die mit gut sichtbaren Namensschildern durch die Gegend laufen, auf denen auch gleich stehen könnte „SCHAUT HER, ICH BIN WICHTIG!“.

Mit einem Blick auf den Lageplan ist die Orientierung wiederhergestellt, das Interesse steigt und die Freude auf die folgenden Eindrücke und Erlebnisse. Die langen Gänge gleichen einem Irrgarten, sie führen an vielen Ständen von Verlagen vorbei. Schon bald ist der Hall einer männlichen Stimme durch einen Lautsprecher zu hören und kurz darauf zeigt sich die zugehörige Person: Ein Autor, der aus seinem neuen Buch, von den aufgeschnappten Wörtern her wahrscheinlich ein Krimi oder Thriller, vorliest. Der Weg führt weiter in eine Art Buchladen, an dessen hinterer Wand sich eine Menge neuer Bestseller erstrecken.

Nach kontinuierlichem Weitergehen, um den Strom der Menschen bloß nicht zum Stocken zu bringen, befindet man sich prompt in der nächsten Halle, die sich auf das Genre „Fantasy“ spezialisiert. Hier laufen die Besucher auch vielen Personen über den Weg, die ein bisschen so aussehen, als hätten sie den Kölner Karneval verpasst: Den sogenannten „Cosplayern“. Ein Blick nach links oder nach rechts - und eine als Elfe verkleidete Frau steht neben dir!

Über den Tag finden wir spannende und interessante Vorlesungen und die verschiedensten Genres an Büchern: Kinder- und Jugendbücher, Liebes- und Kriminalromane, Fantasy, Science Fiction, Reiseführer, Kochbücher und viele, viele mehr. Und dann kommt er. Der Bezirk des Unterrichtsmaterials und der Schulbücher.

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Mit der Zeit macht sich allgemein Hunger bemerkbar. Der Ansturm auf die Stände der Verlage verflüchtigt sich und die Massen strömen zu den Imbissbuden. Wer nicht sein halbes Vermögen verlieren will, war schlau und hat sich Proviant eingepackt. Mit dem Hunger geht auch der Kampf um bequeme Sitzplätze einher. Nach dieser allgemeinen Mittagsruhe setzt sich alles langsam wieder in Bewegung. Unser Weg führt weiter in die berüchtigte Halle der Mangas und Animes. Hier erreicht das zuvor angesprochene „Cosplay“ eine neue Ebene. Alles ist bunt und schrill. Kostüme sind hier eine Art „Mainstream“ und es sind eher diejenigen „ein bunter Hund“, die keine auffällig und aufwendig aufgemachte Robe tragen. Neben Comics und Büchern bietet dieser Teil der Messe Perücken und Kontaktlinsen in allen Farben.

Touché an die Frauen, die das Opfer bringen und die Messe in hohen Schuhen besuchen. Warum? Weil die Zeit auf der Messe, so schön sie auch ist, recht ermüdend für die Beine sein kann, wenn man nicht gerade Profisportler ist. Viele Besucher versuchen sich auf den Treppen und Sitzmöglichkeiten in der großen Halle mit Glasdach auszuruhen, was sich aber aufgrund der Wärme nicht lange aushalten lässt.

Bald kehrt unsere anfängliche Motivation zurück und die Messe kann weiter erkundet werden, bis es Zeit ist, zum Bus zurückzukehren.

Die Leipziger Buchmesse war ohne Frage überwältigend, eindrucksvoll, spannend und interessant, - mit der Zeit auch etwas ermüdend, was bei anderen Messen keinesfalls anders ist. Der Besuch lohnt sich!

Ich denke aber, dass mehrere Tage auf der Messe nötig sind, um diese in Ruhe zu besichtigen und die vielen Eindrücke noch zu vertiefen.


Lina Nele Busse

Viele Eindrücke, viele Verrückte

Warm, eng, laut. Zu warm, zu eng, zu laute Musik durch die Kopfhörer, um nicht alle Gespräche hören zu müssen. Zwischendurch Kommunikation mit gerade aus dem Halbschlaf erwachten Mitschülern.

Ankunft auf dem Parkplatz der Leipziger Buchmesse! Nach einer ersten Orientierung auf dem riesigen Parkplatz, auf dem man auch gut den Petersplatz nachbauen könnte, ging es los. Nach einem langen Fußmarsch und der unvermeidbaren Taschenkontrolle gingen wir hinein. Aber nicht in irgendein Gebäude, sondern in ein gewächshausartiges Monstrum aus mehreren Hallen, die mit einigen Metern über der Erde liegenden Tunneln verbunden waren.

Endliche der Eingang! Es folgte wiederum eine Orientierung anhand vorher ausgehändigter Pläne. Dabei zeigte sich das erste Problem: es mangelte an einer vernünftigen Übersicht der Stände und der Themengebiete. Als sich schließlich alle Gruppen gefunden und alle Fragen bezüglich des Zeitplans geklärt hatten, ging es auf literarische Entdeckungstour.

„Einfach zu groß“ – das werden viele gesagt und noch mehr gedacht haben. Zu groß und zu unübersichtlich, verwinkelt und viel zu voll. Wir ließen uns von der Menge schieben, brachen aber auch immer wieder aus dem Strom aus und versuchten, für uns interessante Themen sprichwörtlich abzugrasen. Ich beackerte ein wenig das Feld der christlichen Religion. An den entsprechenden Ständen hielten sich unter anderem auch zwei Mönche auf, ein Beispiel dafür, dass die Klosterbewohner im Gegensatz zur Meinung vieler Menschen weder öffentlichkeitsscheu noch bildungsfeindlich sind.

Regelrecht beherrscht wurde der Bereich Religion jedoch von Moslems, die mit diversen Faltblättern und Infobroschüren über ihren Glauben und ihre Ansichten informierten (unter anderem auch über die Situation der Frau in Familie und Gesellschaft).

Nicht weit entfernt befand sich der zentrale Punkt der ARD. Dort fanden Interviews statt. Eine der Befragten war die Autorin eines Buches über den rechtsterroristischen Massenmörder Anders Behring Breivik. Dieses von mir mit Spannung erwartete Gespräch war aus meiner Sicht eine Enttäuschung: die Fragestellungen waren uninteressant, das komplette Gespräch nervte mit einem unnötigen (die Autorin spricht gut deutsch!) Wechsel zwischen der deutschen und der englischen Sprache.

Nachdem wir die Halle durchlaufen hatten (dort gab es noch Hörbücher und Kunst) durchstreiften wir mit einer gewissen Gründlichkeit (wir wollten ja nichts verpassen) die anderen Hallen, insgesamt fünf. Dazu kam noch der zentrale Knotenpunkt, in dem sich viele Personen aufhielten. Wir nahmen Schulbücher, Bücher über Fahrzeuge, Videospiele und Sehenswürdigkeiten Europas unter die Lupe. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt, es mangelte nicht an kulinarischen Angeboten (deren Qualität sich allerdings in einigen Fällen deutlich in Grenzen hielt).

Eine Sache abseits der Bücher und des Essens schockierte mich besonders: die Manga-Comic-Con, die fast eine komplette Halle einnahm, sowie die dazugehörigen Cosplayer. Die in phantasiereiche Kostüme (mit oft relativ wenig Stoff) gehüllten Personen prägten das Erscheinungsbild der Buchmesse stark.

Als wir schließlich am Ende unserer Besuchszeit zurück zum Bus liefen, waren unsere Köpfe voller Eindrücke, unsere Mägen nur halbwegs gefüllt und unsere Portemonnaies leerer.

Fazit: viele Eindrücke und viele Verrückte – viel „Futter“ für den Verstand und die Fantasie, aber auch die Erkenntnis, dass man nicht alle Inhalte dieser gewaltigen Veranstaltung an einem Tag aufnehmen kann, schon gar nicht im Rahmen eines zeitlich begrenzten Schulausflugs.

Thore Stübner