Kunst am Gymnasium Lüchow

Fachgruppe Kunst

Herr OStR Edgar Gerlach (Fachobmann)

Frau Gilta Jansen

Frau StR' Katja Vogt

Herr Dr. Bartholomai

Klavierprojekt

Am Anfang war....

… das Klavier, das auf Wunsch des Fachbereichs Musik fortan nicht mehr bespielt, sondern zum Kunstwerk werden sollte. Ob wir [der Fachbereich Kunst] da nicht irgendeine Idee hätten…

Selbstverständlich hatten wir „irgendeine Idee“, aber es wäre doch viel schöner, gemeinsam mit der „Projektklasse Kunst“ des 11. Jahrgangs eine solche zu entwickeln. Was auf allgemeine Zustimmung traf. Nach einem gemeinsamen Brainstorming stand für uns recht schnell fest, dass rein dekoratives Bemalen nicht infrage kam, es sollte schon etwas vielschichtiger, mehrdeutiger, evtl. auch provokativer angelegt sein und den Betrachtenden verschiedene Deutungsmöglichkeiten eröffnen. Dies, da waren sich die beiden Fachgruppen auch schnell einig, sollte in Form von einer Landart-Gestaltung, die sich von herkömmlicher dekoraktiver Gartengestaltung abhebt, geschehen. Die konkreten Gestaltungsideen im Rahmen dieser Vorgaben, sollten von der Projektklasse Kunst entwickelt werden.

Und so geschah es auch: Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit Landart (M. Heizer, R. Smithson, W. de Maria, C. Javacheff und A. Goldsworthy) entwickelten sich im Kurs allmählich verschiedene Konzeptionen und Gestaltungsideen, über deren Anspruch und Realisierbarkeit nach einer Präsentationsphase diskutiert und später auch entschieden wurde.
Neben der wesentlichen Frage, was im Rahmen von überschaubaren finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten realisierbar ist, ging es schwerpunktmäßig um das Ausdrucks- und Deutungspotenzial, das einem Instrument, das in seiner Funktion als solches ausgedient hatte, möglicherweise zu entlocken war.

Hierbei spielten die örtlichen Gegebenheiten mit einem bereits vorhandenen Baum (Holz) und dem damit verbundenen Symbolgehalt (Wachstum, Leben) und das Klavier (Holz, Metall) mit dem altersbedingten Verlust seiner Funktion (Vergänglichkeit) eine wesentliche Rolle. Ziel konnte es sein, ein „Work-in-progress“ zu schaffen, das Entstehen und Vergehen in einer ästhetischen Naturraum-Gestaltung (von Landschaftsraum kann man aufgrund des beengten Freiraums nicht reden) visualisiert. Diese Konzeption wurde auf der Grundlage der in den Projekttagen entwickelten Gestaltungsideen der Schüler*innen realisiert. In Bogenform aufgeschichtete Holzscheite, mit Erde aufgefüllt, z.T. bepflanzt, Eisenstangen in Oktavabständen angeordnet zwischen Baum (Werden) und Klavier (Vergehen) bilden ein ästhetisch und konzeptionell rundum gelungenes Werk, dessen volles Potenzial sich insbesondere in der Zeit weiter entfalten wird – so wie das unserer Schüler*innen.

Dokumentiert - und künftig auf der Homepage des Gymnasiums zu verfolgen sein - werden die zeitbedingten Veränderungen des Werdens und Vergehens übrigens mit einer Webcam, die zweimal täglich ein Foto schießt. In einem Jahr werden es also 730 sein: ca. 40 Sekunden Film, in 10 Jahren fast 7 Minuten.
Ein spannendes Projekt. Und wenn die daran beteiligten Schüler*innen in 10 Jahren womöglich in aller Welt zerstreut sind, haben sie die Möglichkeit zurückzublicken und zu sehen, dass nicht nur sie sich verändert haben und was Veränderung bedeutet. Ich persönlich werde mich dann zurückerinnern an Schüler*innen, die ich selten so gut gelaunt gesehen habe wie in jenen Tagen.

Edgar Gerlach, August 2020

Jahrgang 11 - Projektklasse Kunst

Seit dem Schuljahr werden am Lüchower Gymnasium für den Jahrgang 11 Themenklassenangeboten, d.h. Schüler*innen des Jahrgangs 10 wählen, welcher angebotenen Themaklasse aus den Bereichen Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften, Geisteswissenschaften sie sich zuordnen wollen. Eine von mir initiierte Themenklasse hat die Auseinandersetzung mit Kunst zum Schwerpunkt. Inhaltlich war es das gesteckte Ziel, sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit Kunstwerken auseinanderzusetzen, die man im Original gesehen hat.

Dazu sollten sich die Schüler*innen bei einem Besuch der Hamburger Kunsthalle ein Kunstwerk aussuchen, mit dem sie sich in den folgenden Wochen sowohl theoretisch als auch praktisch auseinandersetzen wollten.
Nach einer gründlichen theoretischen Auseinandersetzung folgte die Phase der praktischen Auseinandersetzung mit dem Bild. Dabei durften vielfältige Wege erprobt werden: das Bild nachzeichnen, nachmalen, verändern, zerreißen, collagieren, neu arrangieren, sich ins Bild projizieren, einen Dialog mit dem Bild oder mit dem Maler führen, eine Bildfolge entwickeln, die Perspektive wechseln, das Bild in ein anders Medium übertragen. Hier nun einige Resultate.

Freundliche Grüße,
Edgar Gerlach